Redaktion: Guten Tag, Herr Schwarz. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview nehmen. Können Sie sich kurz vorstellen?
Uwe Schwarz: Mein Name ist Uwe Schwarz, ich bin seit 2010 Fachleiter der BFS Logopädie an unserem Bildungszentrum.
Redaktion: Wie sind mal noch weiter neugierig: Können sie noch ein bisschen zu sich erzählen?
Uwe Schwarz: Sehr gerne. Ich lebe in Reichenbach, habe vor meiner Tätigkeit hier am bsw einige Jahre als Fachlicher Leiter einer Logopädiepraxis in Plauen gearbeitet. Ich bin Beisitzer im Landesvorstand Sachsen des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie e. V. Darüber hinaus moderiere ich in meiner Freizeit bei einem regionalen Radiosender sowie bei verschiedensten Veranstaltungen in der Region. Kommunikation durchzieht also so ziemlich mein Leben.
Redaktion: Wie würden Sie die Logopädieausbildung am bsw charakterisieren?
Uwe Schwarz: Wir bieten mit unserem tollen Lehrerteam hier in der 2. Etage unseres Bildungszentrums eine dreijährige Ausbildung zur Logopädin/zum Logopäden. Dabei legen wir großen Wert auf eine praxisnahe Ausbildung, eine enge Zusammenarbeit mit therapeutischen Einrichtungen – dazu arbeiten wir kontinuierlich mit vielen regionalen Praxen und Kliniken zusammen und sind sehr dankbar für diese gewachsene Kooperation. Weiterhin ist uns ein offener und wertschätzender Kommunikationsstil zwischen den Mitarbeitern und in der Zusammenarbeit mit Schülern sehr wichtig.
Redaktion: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Inhalte und Schwerpunkte der Ausbildung?
Uwe Schwarz: Die Ausbildung umfasst sowohl theoretische Inhalte wie Anatomie, Linguistik, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und sozialwissenschaftliche Fächer wie Psychologie oder Pädagogik, als auch praktische Therapiefächer, in denen die Schüler lernen, verschiedene Störungsbilder wie Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluck- oder Hörstörungen zu diagnostizieren und zu behandeln. Ein besonderer Fokus liegt dabei für uns auf der praktischen Anwendung des Gelernten und der Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie Therapiekonzepte.
Redaktion: Aktuell steigt an der BFS Logopädie so kurz vor Weihnachten wieder die Aufregung, ist es ziemlich unruhig bei den „Logos“. Was ist der Hintergrund?
Uwe Schwarz: Neben dem Unterricht und der berufspraktischen Ausbildung an unserem Hause, in enger Zusammenarbeit mit dem Therapiezentrum „Vitalis“, runden ja Exkursionen und verschiedene Projekte die Ausbildung ab. Und ein Projekt, das mir sehr am Herzen liegt, ist das theaterpädagogische Projekt der Schüler und Schülerinnen des ersten Ausbildungsjahres. Dabei entwickeln die Schüler „ihr“ Stück (Minitrailer “Nordpoltherapie” hier ansehen), durchlaufen einen intensiven Probenprozess und führen es dann kurz vor Jahresende mehrfach vor den Schülern und Mitarbeitern unseres Bildungszentrums auf.
Die pädagogischen Ziele dieses „anderen“ Unterrichts in den Fächern Sprecherziehung und Stimmbildung sind dabei vielfältig: Teambildung, Kreativität, Übernahme von Verantwortung, Förderung des körperlichen und sprachlichen Ausdrucks, Überwindungen von Hemmungen, Verbesserung der stimmlichen und artikulatorischen Fähigkeiten.
Neben fachlichem und methodischem Wissen erfordert der Beruf des Logopäden auch intensive soziale und persönliche Kompetenzen sowie eine grundsätzlich professionelle Haltung. Therapeutisches Handeln ist stets auch geprägt von Unvorhergesehenem und der Notwendigkeit, das eigene Vorgehen zu reflektieren. Ich finde, dass der gesamte Projektzeitraum somit auch vielfältige supervidierte Übungsmöglichkeiten für späteres therapeutisches Handeln bietet.
Redaktion: Welche Veränderungen beobachten Sie im Bereich der Logopädie in den letzten Jahren?
Uwe Schwarz: Die Ansprüche an eine wissenschaftlich fundierte, therapeutische Arbeit und die interdisziplinäre Zusammenarbeit wachsen stetig. Zudem gibt es einen zunehmenden Bedarf an Logopädinnen und Logopäden. Weiterhin ist auffallend, dass die Zahl der komplex sprachlich auffälligen Kinder zugenommen hat.
Redaktion:Wie sehen Sie die Zukunft der Logopädie?
Uwe Schwarz: Die Logopädie wird weiterhin ein sehr wichtiger und notwendiger Bestandteil des Gesundheitssystems bleiben. Wir wollen zunehmend weitere innovative Lernmethoden einbinden und Kooperationen mit Kliniken und Hochschulen forcieren, um unseren Schülerinnen und Schülern optimale Perspektiven und modernstes Wissen zu bieten.
Redaktion: Warum sollten sich junge Leute für die Ausbildung und den Beruf des Logopäden interessieren?
Uwe Schwarz: Wir dürfen mit unterschiedlichsten Menschen in einem vielseitigen und spannenden Beruf arbeiten, der dringend benötigt wird, um die Lebensqualität und Teilhabe vieler Kinder und Erwachsener zu verbessern. Die Arbeit als Logopädin oder Logopäde ist sicher herausfordernd, aber auch unglaublich erfüllend! Hier an unserem Bildungszentrum bereiten wir die Schüler praxisnah in kleinen Klassen auf diesen tollen Beruf vor und nutzen dabei natürlich auch die interdisziplinären Möglichkeiten unseres Hauses, wie z. B. die Zusammenarbeit mit unseren Ergotherapeuten und Physiotherapeuten.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!
Uwe Schwarz: Gerne. Ich freue mich auf die nächsten spannenden Jahre an unserem Bildungszentrum!
